Die Gründung Lichtenaus

 

Lichtenau nach der Eroberung durch Prinz Conde 1644

Die Gründung Lichtenaus

Lichtenau ist eine Gründung der Lichtenberger, einem unterelsäßischen Adelsgeschlecht, dessen Stammburg Lichtenberg im Elsaß ist. Sie ist über  Hagenau das Modertal aufwärts bis Ingwiller und das Städtchen Lichtenberg leicht zu erreichen. Ludwig I. von Lichtenberg gewann durch die Verleihung der Obervogtei von Straßburg (1237) und des Erbmarschallamts (1249) großen Einfluß, den er nutzte um den Besitz der Lichtenberger durch Straßburger und Metzer Bistumslehen, sowie durch Erbschaft und Kauf auszuweiten. Seine drei Söhne traten ins Domkapitel ein und einer von ihnen, Konrad III., wurde (1273) Bischof von Straßburg. Diese Stellung erlaubte es ihm die rechtsrheinischen Bistumsterritorien von Memprechtshofen (Ortsteil Renchenloch) bis Hohnhurst  mit dem Amt Willstätt und dem Stab Rheinbischofsheim (damals Bischofsheim)  seinen Angehörigen als Lehen zukommen zu lassen.


Die Straßburger und damit auch die Lichtenberger standen auf Seiten König Rudolfs von Habsburg der am Oberrhein geboren war und 1291 starb. Aber nicht sein Sohn Albrecht I., wie erwartet,  wurde König, sondern Adolf von Nassau. In der darauf folgenden kriegerischen Auseinandersetzung fiel Adolf von Nassau und Albrecht I. wurde doch noch König. Die Straßburger und die Lichtenberger, die treu zu ihm gestanden hatten, konnten jetzt mit seiner Dankbarkeit rechnen. Bischof Konrad ließ die, einem Anhänger Adolf von Nassaus, dem Kuno von Bergheim gehörige Burg Krax bei Barr schleifen und nutzte die Steine, die über den Wasserweg - Ill - Rhein - Altrhein bis zur Baustelle befördert werden konnten - zum Bau der Burg Lichtenau.

Die Abtei Schwarzach, die sich ein Jahr zuvor noch unter den besonderen Schutz Adolf von Nassaus begeben hatte, mußte nun den südwestlichen Teil der Scherzheimer Mark (1298) mit den Dörfern Helmlingen, Scherzheim, Hirsach (existiert nicht mehr) Muckenschopf und  Memprechtshofen  an den Neffen Konrads den Lichtenberger Johannes I. verkaufen. So entstand der rechtsheinische Stab des Gerichts Lichtenau. Nun konnten die Lichtenberger auf eigenem Grund eine Wasser- oder Tiefburg zum Schutze ihrer rechtsrheinischen Besitzungen bauen. Den Anschluß ans Stammland schafften sie durch Kauf der linksrheinischen Dörfer Offendorf, Herlisheim, Drusenheim mit Kutzenhausen  und Rohrwiller. Zusammen mit dem bereits eigenen Oberhofen bildeten sie den linksrheinischen Stab Offendorf des Gerichts Lichtenau und hatten jetzt über die Rheinfähre Verbindung zum Stammland.

Den Beginn des Burgbaus muß man in die Jahre 1293 bis 1296 ansiedeln. Ob Bischof Konrad, wie oft berichtet, selbst Anteil am Bau von Lichtenau hatte ist nicht sicher überliefert, fest steht, daß er die Stadtrechtsverleihung nicht mehr erlebt hat, er starb 1299 an einer Kriegsverletzung, die er sich vor Freiburg zugezogen hatte. Johannes I. hat die Stadt Lichtenau - der Name war als Gegensatz zu Lichtenberg gedacht - zu Ende gebaut.  Lichtenau war aber nicht nur als Schutzburg für die rechts-rheinischen Besitzungen gedacht, es war von Anfang an als Sitz der Verwaltung  - Amtmann und Amtsschaffner - vorgesehen. Deshalb hat, im Gedenken an die treue Waffenhilfe, König Albrecht der Bitte Johannes I. entsprochen und der Neugründung unter dem 14 Januar 1300 die Hagenauer Stadtrechte verliehen.

Mit dem 1. Februar 1300 gab Johannes mit einem eigenen Freiheitsbrief diese städtischen Freiheiten an Lichtenau weiter- natürlich in "abgeschwächter" Form - außer Fron- , Zuzugs-, und Abzugsfreiheit blieb nicht mehr viel übrig von den Hagenauer Stadtrechten.

Ernst Decker

 

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