Das Museum des Heimatverein Medicus / Geschichtliches
Bau des Lichtenauer Heimatmuseums / Stand 08/2000
Das "Hans-Michel-Haus" nach der Renovierung
(ohne Ziehbrunnen)
Entstehung des Heimatvereins
Im März 1986 trafen sich im Gasthaus zum Lamm in Lichtenau Lichtenauer Bürger, um den seit 1964 bestehenden Heimatausschuß rechtsfähig zu machen. Er ist ein übrig gebliebener Festausschuss des Turnvereins, der anlässlich des 100- jährigen Jubiläums 1964 zur Organisation des großen Festumzuges und dem Empfang der auswärtigen Lichtenauer ins Leben gerufen worden war. Damit wurde in Lichtenau ein neuer Verein geboren, der Heimatverein Medicus, benannt nach dem preußischen Obristen Heinrich Medicus, der sich als Sagensammler, Heimatdichter und Verfasser von Reden in Versform in Lichtenau und darüber hinaus einen Namen gemacht hat.Der erste Obmann dieses Heimatausschusses, Georg Lauppe, realisierte mit dem Ausschuss eine Idee des Turnvereinsvorsitzenden Karl Schilling, die Adressen aller auswärtigen Lichtenauer zu sammeln und sie zum Fest einzuladen. Georg Lauppe tat sich mit dem Vorstand des Ulmer Männergesangvereins zusammen und erstellte eine Adressenliste von auswärtigen Lichtenauern und Ulmern, die noch heute die Basis für den Versand des Heimatgrußes ist. Ein Faltblatt, das ein wenig von Ulm und Lichtenau berichtete und vor allem die Einladung aussprach, wurde an alle Auswärtigen, deren Adressen sie habhaft werden konnten, versandt. Es war die Geburtsstunde des, in diesem Jahr zum 32. Mal versandten Heimatgrußes. Dieser Heimatgruß entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer Broschü re, deren Umfang heute über 150 Seiten beträgt und der alle Teilorte unseres Städtchens einschließt. Die Beliebtheit dieses Grußes kann man daran ablesen, daß wir heute fast 900 Exemplare zum Versand in alle Welt bringen und daß dieses Periodikum ausschließlich von Spenden finanziert wird. Lediglich die Portokosten werden von der Stadt übernommen.
Nach dem großen Turnfest übernahm Karl Schilling die Leitung des Heimatausschusses bis zu seinem Tode im Jahre 1984. Nach einem kurzen Interregnum von Albert Stauffer, der in die Bresche gesprungen war, übernahmen Ernst Decker als erster und Fritz Stengel als zweiter Obmann die Geschicke des Heimatausschusses. Fritz Stengel kümmerte sich hauptsächlich um die Sammlung und Erhaltung alter Gebrauchsgegenstände aus dem handwerklichen und bäuerlichen Bereich mit dem Ziel einmal ein Heimatmuseum zu einrichten zu können, während sich Ernst Decker vorwiegend um die Weiterführung des Heimatgrußes kü mmerte.
Da einerseits diese Sammlung immer reichhaltiger wurde und andrerseits Spendengelder für den Heimatgruß zur Verfügung standen, hielten wir es für geboten einen rechtsfähigen Verein zu gründen. Dieser konnte dann auch geeignete Räumlichkeiten für ein Museum kaufen und zur Renovierung Kredite aufnehmen. Dies geschah am 23. März 1986 im Gasthaus zum Lamm in Lichtenau.
1. Vorstand wurde Ernst Decker und zum 2. Vorstand wurde Helmut Diebl gewählt. Die Kasse führte zunächst noch Kurt Neugart und dann Wilhelm Rauch. Schriftführerin wurde Edeltraud Link, die auch die Trachtentanzgruppe ins Leben rief. Fritz Stengel führte die heimatgeschichtliche Sammlung weiter.
Nach 10 Jahren Heimatverein konnte der Vorstand stolz auf die stattliche Zahl von über 250 Mitgliedern verweisen, heute sind es über 300. Dies zeigt, dass die Anliegen des Vereins - Heimatgruß, Heimatmuseum und Trachtentanzgruppe - von der Bevölkerung angenommen wurden.
Kauf des „Hans-Michel-Hus“
1994 war es uns gelungen ein 200 Jahre altes Bauernhaus, das noch als einziges in Lichtenau in weitgehend ursprünglichem Zustand erhalten geblieben war, zu
kaufen. (Kaufvertrag Bild links)
Mit einer Grundfläche von über 800 qm und einem sehr großen Ökonomiegebäude hofften wir, der Stadt Lichtenau ein würdiges und repr äsentatives Heimatmuseum zur Verfügung stellen zu können, in dem auch Sonderausstellungen und Festivitäten der Lichtenauer Vereine stattfinden k önnten. Natürlich ist es nicht leicht, ohne materielle Hilfen der öffentlichen Hände, ein solches Projekt durch zu ziehen. Daß es trotzdem gelang und vermutlich auch so zu Ende geführt werden kann, verdanken wir den vielen „kleinen“ und „großen“ Spenden, aber auch allen treuen Helfern, die in unermüdlicher Arbeit geleistet haben, was man heute sehen kann. Es ist natürlich klar, dass unter diesen Bedingungen keine eindeutige Terminplanung möglich war und wir keinen Eröffnungstermin nennen konnten, denn Kredite wollten wir nur insoweit aufnehmen, wie wir unsere R ückzahlungsmöglichkeiten einschätzen konnten. Mit der früher einmal von der Stadt in Aussicht gestellten Kredittilgung in Höhe DM 200.000,- ist es ja im Zeichen des Sparens nichts geworden, so sind wir völlig auf Spenden angewiesen. Auch im Bereich der Eigenarbeit gibt es Grenzen, denn kein Mensch kann über Jahre hinweg Samstag für Samstag und dazu noch an vielen anderen Wochentagen seine Arbeitskraft dem Verein zur Verfügung stellen, auch nicht wenn er Rentner ist und „sonst ja nichts mehr zu tun hat“. So sind wir sehr froh, dass sich trotzdem immer wieder Leute einfinden, um das begonnene Werk fortzuführen. Das Landesdenkmalamt, das uns mit entsprechenden Auflagen erhebliche Zusatzkosten verursacht hat, hat uns nur mit einer kleinen Hilfe bedacht.
Ernst Decker
